4. Juni 2023

Theaterarbeit mit Schauspieler:innen mit Lernschwierigkeiten

Ein Theater der Vorgänge, Emotionen und Bilder. Ein Handbuch.

Ganz ehrlich, das Theater ist schon etwas Magisches. Es ist eine großartige Welt, in der die Fantasie die wichtigste Rolle spielt. Der Zugang zur eigenen Fantasie ist einzigartig und kann nicht messbar sein. Theater stößt persönliche Entwicklung an, fördert sprachliche Kompetenzen, Körperwahrnehmung und Teamgeist. Theater ist vielfältig und im Theater bin ich nie allein. Ich lerne von den anderen und lasse mich durch Mitspieler:innen inspirieren. Deshalb ist Theater der perfekte Ort für Inklusion. Denn da draußen in der „realen Welt“ ist wenig Platz für „anders sein“, reichlich Vorurteile und Fremdbestimmung begrenzen die Menschen mit Behinderung. Viele bekommen wenig Verantwortung und Selbstbestimmung bleibt für viele unerreichbar. Wenn aber jemand auf der Bühne steht, wird die Person zur Figur, wird sichtbar und verantwortlich. Denn „ohne dich können wir nicht spielen“, weil im Theater jedes Individuum Teil des Ganzen ist.

Das Ziel der Recherche ist zu zeigen, dass die Behinderung eigentlich gar keine Rolle spielt. Oder doch? Aber wieviel? Verändern sich die Produktionsprozesse bei der Arbeit mit einem inklusiven Ensemble?  Darüber sprach ich (Tina Kukovic) mit Gisela Höhne, Maja Polk und Andrea Crusius.

Danke an meine Gesprächspartnerinnen für die vielseitigen Impulse und spannenden Gespräche. Wir sind alle Theatermenschen ohne Behinderung, die mit Menschen mit Behinderung auf Augenhöhe arbeiten.

Das hier ist nur ein simples Handbuch, das als erstes Werkzeug für die Theaterarbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten dienen soll. Es ist kein abgeschlossenes Werk. Für weitere Ideen, Vorschläge, Kommentare und Kritiken stehe ich zur Verfügung: kukovic@theater-sosh.de

7. Mai 2023

Ein biographisches Theaterstück über Heimat

Wie fühlt sich das Zuhause an? Welche Personen geben dir das Gefühl von Heimat?

“Goodbye, my sweetheart“ ist ein biographisches Stück über das Leben von fünf jungen Menschen in Deutschland, deren Alltag von der Sehnsucht nach der alten Heimat bestimmt ist. In Deutschland gehen sie zur Schule, treffen ihre ihre Freund:innen, machen Partys und planen ihre Zukunft.

Der Körper dieser jungen Menschen ist hier, aber ihre Gedanken sind mehr als 5000 Km weit weg.

Die Generalprobe fand 27. April 2023 um 8.45 Uhr in der Schule statt. Aufregung pur für die fünf Neulinge am Theater: Divine, Noseba, Noreddin, Ismail und Reza aus der AVI, wo sie seit dem Sommer Deutsch lernen. zu ersten Mal spielten sie vor Studierenden der Heilerziehungspflege, die sich bewegen lassen und gestehen, dass sie mit den Tränen kämpfen mussten. Was sie bewegt hat, ist, wie die fünf Jugendlichen von ihrer Sehnsucht nach den daheimgebliebenen Müttern erzählen und singen. Zuerst in sich gekehrt, in tiefem Ernst und schließlich immer leichter, offener, fast fröhlich.

Auch medial bewegt das Stück, das sie innerhalb von drei, vier Monaten mit Tina Kukovic auf die Beine gestellt haben, unterstützt von spracherfahreneren Schüler:innen aus anderen AVIs. Deren Gedanken, zum Beispiel „Meine Mutter ist wie eine Perle, die nicht fliegen kann…“, sind über einen Bildschirm mitzulesen.

Am Samstag, 29.4.2023, wurde es uraufgeführt im Rahmen des KulturCamps Zwischen all der Kunst in Köln. Auch hier floss die ein oder andere Träne beim bewegten Publikum. Die fünf Schüler:innen tauschten sich im Anschluss mit begeisterten Zuschauer:innen offen über ihre Arbeit aus und verbrachten noch einen weiteren Tag mit Workshops, Spiel und Tanz im Camp. https://www.latibul.de/

In Zusammenarbeit mit den internationalen Klassen AVI I und AVI II des Berufskollegs Käthe Kollwitz in Aachen. https://www.kks-aachen.de/

22. Februar 2023

Behinderung gestern-heute-morgen

Das Projekt “Stolpersteine” des Künstlers Gunter Demnig begann im Jahr 1992.

Am 5.12.2019 wurde der erste Stolperstein für einen Menschen mit Behinderung in Berlin verlegt: Dagmar Ulrich starb am 10.1.1943 als geistig und körperlich nicht altersgemäß entwickeltes Kind nach medizinischen Experimenten im Alter von 2,5 Jahren in einer Nervenklinik.

Mit dem Projekt “Heilende Momente. Behinderung gestern-heute- morgen” wollen wir Sensibilität für die Geschichte von Menschen mit Behinderung erwirken. Wir wollen die Vergangenheit und das Verbrechen an Menschen mit Behinderung im Dritten Reich in der Innenstadt von Aachen sichtbar machen. Dabei wird auf der einen Seite der unvergleichliche Schrecken der Euthanasie wieder ins Licht gestellt, aber auch Fortschritte im Bemühen um Gleichstellung aufgezeigt.

Im Vordergrund stehen Biografien von Menschen aus unserem Ensemble. Ihre Geschichten setzen wir in Verbindung mit konkreten historischen Personen, die aufgrund ihrer Behinderung im Dritten Reich sterben mussten. Damit rufen wir vergangene Geschichte in Erinnerung, machen aber auch unsere aktuell von Ausgrenzung betroffenen Spieler:innen sichtbar; ein Bemühen, dass unbedingt ein zentrales Anliegen unserer künstlerischen Arbeit ist.

Aufführungstermine (Der Ticketverkauf startet am 1. September)

  • 28. Oktober 2023 um 19 Uhr
  • 29. Oktober 2023 um 18 Uhr
  • 18. November 2023 um 19 Uhr
  • 19. November 2023 um 18 Uhr
  • 2. Dezember 2023 um 19 Uhr
  • 3. Dezember 2023 um 18 Uhr

auf der Kulturbühne von Meffis, Transformationszentrum am Büchel Mefferdatisstr. 16 52062 Aachen https://www.meffis.org/

Dieser Balanceakt resultiert auch aus den Erfahrungen mit bisherigem biografischem Arbeiten, wo es sich bewährt hat, belastende Inhalte mit einem hoffnungsvollen Blick nach vorne erträglicher zu machen.

14. Dezember 2022

Talkshow über Diskriminierung und Sichtbarkeit

Samra arbeitet für einen Assistenzdienst, der Menschen mit Behinderung unterstützt, speziell auch in der Versorgung mit Assistenzkräften, und ihnen so das Leben in der eigenen Wohnung ermöglicht.

Nenja, Soziologin und Politikwissenschaftlerin, hat sich vor drei Jahren entschlossen mehr in die Praxis zu gehen und ist seit 2019 die Integrationsbeauftragte der Stadt Aachen.

Nenja und Samira sprechen darüber, was ihnen wichtig ist, Harmonie: Vielfalt und Sichtbarkeit, über die „bunte Stadt Aachen“, die Wichtigkeit von Erfahrungen, Verletzungen, über den Stand der Inklusion, der Teilhabe, Chancengleichheit und den einen Wunsch.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Fonds Soziokultur, Heidehof Stiftung, Städte Region Aachen, Stadt Aachen, LOGOI

21. September 2022

Theateraufführung “AUSGANGSPUNKT NULL”

Das Theaterstück “AUSGANGSPUNKT NULL” ist zum letzten Mal am 3. März um 19 Uhr zu sehen.

Alle Aufführungen finden in der Kulturbühne des neuen sozio-kulturelles Zentrums “Meffis” in Aachen statt. Die Besucherzahl ist auf 40 Personen begrenzt.

Tickets

Eine Reservierung per Email an: kartenverkauf@theater-sosh.de

Preise:

Nach Selbsteinschätzung: 25€ bzw. 12€

Einlass ab 18 Uhr. Eine Kartenzahlung ist nicht möglich.

Fotos: Margarita Germanyuk

Über Sichtbarkeit und Vielfalt

Inhalt:

Wie reden wir über Diskriminierung und Ausgrenzung? Können wir „schwarz“ oder „behindert“ sagen? Wie sprechen wir Anita im Rollstuhl an? Was passiert, wenn man zwei Gruppen, die von Diskriminierung betroffen sind, zusammen auf die Bühne bringt?

Das Ergebnis ist eine berührende von Live-Musik begleitete Theateraufführung.

Für uns als inklusive Theatergruppe bleibt Inklusion das Grundthema. Wir glauben, dass alle an Gesellschaft teilhabenden Menschen an der notwendigen Transformation derselben zu beteiligen sind.

In der Betonung des Gemeinsamen anstatt des Trennenden ist ein Hebel zu finden, der das Zögern angesichts der aktuell großen Herausforderungen überwinden und Wege öffnen kann, hin zu einem sozialen Paradigmenwechsel.

In Zusammenarbeit mit der Aachener Initiative “We won’t be Quiet.“

Adresse

Meffis e.V.
Mefferdatisstr. 16-18
52062 Aachen

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei.

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12. August 2022

Wir feiern die Aachener Vielfalt

Meine Identität – Deine Identität: Wie junge Aachener*innen die Welt sehen

Am 20.08.2022, von 12 bis 18 Uhr, findet die Veranstaltung Meine Identität – Deine Identität: Wie junge Aachener*innen die Welt sehen im KingzCorner Aachen (Königstr. 44-46, 52064 Aachen) statt.

Sichtbarkeit von migrantischen Lebensrealitäten

Nicht nur persönliche Begegnungen, sondern vor allem Aachen und seine Vielfalt sollen wir öfters feiern. Während die erste (Online-)Veranstaltung von „Meine Identität – Deine Identität“ die Perspektiven von schwarzen Menschen betrachtet hat, die sich in Aachen zivilgesellschaftlich engagieren, wird in diesem Jahr der Fokus allgemein auf die Sichtbarkeit von migrantischen Lebensrealitäten erweitert.

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8. Juni 2022

NAH DRAN

Straßentheateraufführung über die Spuren der Vergangenheit

Es gibt Menschen, die den Krieg ganz nah erfahren. Und es gibt Menschen, die den Krieg von fernab erleben aber trotzdem die Spuren des Krieges in sich tragen.

Das autobiographische Stück „Nah dran“ erzählt die Geschichte einer Frau, die sich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert sieht. Wenn das Leben den Atem verliert, dann wird es Zeit die Tür zur Vergangenheit zu öffnen. Wir begegnen unsere Schuldgefühle, Scham, Verwirrung, Hilflosigkeit und wir beginnen die Momente zu sehen, die uns bis hierhin gebracht haben.

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30. Mai 2022

Eros Recio – Gewinner des Jugendkarlspreises 2021

Eros Recio zu Besuch beim Theater SoSH in Aachen

Einer der Gewinner des Aachener Jugendkarlspreises 2021, Eros Recio, war zu Besuch bei dem Theater SOSH. Wir haben uns sehr gefreut, dass Eros im Zusammenhang mit seiner Jugendkarlspreis Verleihung in Aachen, die Zeit gefunden hat uns zu besuchen.

Eros Recio kreierte die Flagge der Behinderung, Überwindung Flagge oder Flagge der Rechte von Menschen mit Behinderungen. Es ist die Flagge, die alle Menschen repräsentiert, die eine Behinderung haben . Die Flagge wurde 2017 der Organisation der Vereinten Nationen überreicht.

Für das ganze Team des Theater SOSH war das ein ganz besonderer Moment. Eros ist einer der ersten professionellen Tänzer mit Downsyndrom. Er schilderte uns gemeinsam mit seinem Vater seinen Lebensweg und wie er zu einem professionellen Tänzer geworden ist.

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10. Mai 2022

Das Projekt 2022: Sichtbarkeit von Vielfalt

Spurensuche zwischen Körper und Seele: Wo entsteht Diskriminierung, wo verletzt sie?

Diskriminierung und Ausgrenzung

Für uns als inklusive Theatergruppe bleibt Inklusion das Grundthema. Aus dieser Warte heraus werden wir uns den Themen Diskriminierung und Ausgrenzung nähern. Wir bringen zwei Personengruppen zusammen, die die Erfahrung von Diskriminierung teilen: Beeinträchtigte und People of Colour.

Wir wollen Entstehungsstrukturen von Vorurteilen offenlegen, Glaubensüberzeugungen hinterfragen und die fatale Begrenztheit des defizitär beurteilenden Denkens aufzeigen, glaubend, dass alle an Gesellschaft teilhabenden Menschen an der notwendigen Transformation derselben zu beteiligen sind.

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